Grüner Abgeordneter sprach anlässlich 40 Jahre Tschernobyl bei BA-BI-Andacht am Wegkreuz und Mahnwache von SWAB
Am 26. April 1986 havarierte das Kernkraftwerk in Tschernobyl. Im März 2011 folgte in Japan die Atomkatastrophe in Fukushima. Beide Ereignisse sorgten maßgeblich für den Atomausstieg. Dass aktuell von einigen Politikern dennoch wieder die Rückkehr zur Kernkraft gefordert wird, dagegen protestierten am 40. Jahrestag von Tschernobyl insgesamt rund 120 Atomkraftgegner bei einer Mahnwache des Schweinfurter Aktionsbündnisses gegen Atomkraft (SWAB) und der Kreisgruppe des BUND-Naturschutz auf dem Schweinfurter Marktplatz und bei der einmal mehr von der Bürgeraktion Umwelt-, Klima- und Lebensschutz Bürgerinitiative gegen Atomanlagen (BABI) veranstalteten Andacht am Wegkreuz nahe dem ehemaligen Kernkraftwerk in Grafenrheinfeld.
Der Schweinfurter Landtagsabgebordnete Paul Knoblach sprach bei beiden Veranstaltungen. Am 26. April 1986, erinnerte er auf dem Marktplatz, „saß ich mit meiner damals schwangeren Frau gerade beim Picknick im Hafenlohrtal, ein sonniger Sonntag, wie heute. Wir wussten nichts von all dem, was da östlich von uns passiert war“, berichtete er. Über das wahre Ausmaß und die Auswirkungen der größten Nuklearkatastrophe der Geschichte und die massiven Auswirkungen auch für unser Land hätten die damals politisch Verantwortlichen die Bevölkerung dann viel zu lange im Unklaren gelassen.
Dass von einigen unbelehrbaren Politikern nun wieder mantramäßig wiederholt werde, dass der Atomausstieg ein Fehler gewesen und die Ursache dafür sei, dass heute die Strompreise so hoch sind und unserer Wirtschaft schaden, „dies ist falsch und widerlegt“, rief Knoblach.
Unter Hinweis auf die Strompreisanalyse des Bundesverbands der deutschen Elektrizitätswirtschaft vom Januar 2026, wonach der Strompreis für die Industrie im Jahr 2026 so hoch ist wie im Jahr 2017, trotz der Inflation-bedingten Preisanstiege, sagte er: „Das ist vor allem dem Ausbau der Erneuerbaren Energien zu verdanken. Denn die Zahlen der Strombörse in Leipzig zeigen es deutlich: je höher der Anteil der Erneuerbaren Energien ist, desto niedriger die Strompreise“, so Knoblach.

„Gott sei Dank, dass wir das Problem der ständigen Gefahr durch den Betrieb des Atomkraftwerks nun seit drei Jahren hinter uns haben, dass der Rückbau voranschreitet, und dass die abenteuerlichen Gedanken eines Jens Spahn, der die Wiederinbetriebnahme von Grafenrheinfeld erwägt, jenseits aller Realität sind. Grafenrheinfeld wird nicht wieder in Betrieb gehen“.
Am Wegkreuz beschäftigte sich Knoblach vornehmlich mit den von Ministerpräsident Markus Söder als Technologie der Zukunft aktuell ins Spiel gebrachten Mini-Atomkraftwerken. Die Antworten der Staatsregierung auf Anfragen der Grünen Landtagsfraktion zeigten allerdings, dass Söder mal wieder Märchen wie aus Tausend-und-einer-Nacht erzähle. Lauts den Antworten sei kein einziges Energieversorgungsunternehmen am Bau für solche Mini-Atomkraftwerke überhaupt interessiert, sei kein einziger Experte zur Frage der technischen oder wirtschaftlichen Machbarkeit zurate gezogen worden und das Wirtschaftsministerium habe die so genannten Small Modular Reactors (SMR) auch nicht als „kostengünstige Energiequelle“ bestätigen können. Die Staatsregierung habe einräumen müssen, dass in Kanada gar kein solch wundersamer moderner Minireaktor existiert, wie behauptet. „Es gibt lediglich einen für den medizinischen Bereich entwickelten Reaktor, der so alt ist wie die ersten Farbfernseher und bis heute keine einzige Kilowattstunde Strom erzeugt hat“.
Knoblach erinnerte an die Zehntausenden Opfer durch die Neuklarkatastrophen von Tschernobyl vor 40 Jahren und Fukushima im Jahr 2011 durch Strahlenkrankheit, Evakuierung und medizinische Unterversorgung. Als Grüner MdL und langjähriger Leidtragender des KKG Grafenrheinfeld sage er deshalb: „Wer Verantwortung für kommende Generationen ernst nimmt, muss in Technologien investieren, die wirksam zum Klimaschutz beitragen und Versorgungssicherheit schaffen. Statt auf gefährliche Atomkonzepte zu setzen oder Kernkraft-Fantasien zu verbreiten braucht Bayern den weiteren konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien, es braucht leistungsfähige Stromnetze, Batteriespeicher und grüne Wasserstoffkraftwerke, eines Markus Söder, eines Jens Spahn oder einer Katharina Reiche zum Trotz“.
Deutschland, Bayern sei ohne Atomkraft sicherer. Den Abschied von dieser extrem risikobeladenen Stromerzeugung nannte Knoblach einen „großen Gewinn für unsere Heimat und die Menschen hier. „Wir kämpfen gegen die mächtigsten Finanzinteressen der Erde, wenn wir uns gegen Kohle, Gas, Öl und Atom wenden, aber die Befürworterinnen und Befürworter der Atomkraft lagen und liegen falsch. Die Energieversorgung ist gesichert. Der Anteil der Erneuerbaren Energien war noch nie so hoch wie heute und der Strom ist im Gegensatz zu Öl und Gas günstig oder aus derzeitiger Sicht bezahlbar. Deshalb: Atomkraft nein Danke, stattdessen müssten die erneuerbaren Energien weiter ausgebaut werden.
Weitere Namhafte Redner waren bei den beiden Veranstaltungen von SWAB und BA-BI die Bundestagsabgeordnete Agnes Conrad (Linke), langjährige BUND-Vorsitzende Hubert Weiger, Landrat Florian Töpper (SPD) und Pfarrer Heiko Kuschel, der wie alle Redner die aktuellen Versuche, die Energiewende zurückzudrehen, „keinen guten Weg“ nannte.