Haßberg-Kliniken

Wiederauszeichnung zum Selbsthilfefreundlichen Krankenhaus

(v.l.n.r.): Michael Ziegler (Landrat Haßberge), Viven Ring (Leiterin KOS Haßberge), Paul Knoblach (MdL, Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Prävention), Clemens Haberer (Ärztlicher Direktor), Regina Steenbeek-Schacht (Vorständin Haßberg-Kliniken), Ines Krahn (GF Netzwerk "Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen"), Elisabeth Röhner (Selbshilfebeauftragte).
(v.l.n.r.): Michael Ziegler (Landrat Haßberge), Viven Ring (Leiterin KOS Haßberge), Paul Knoblach (MdL, Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Prävention), Clemens Haberer (Ärztlicher Direktor), Regina Steenbeek-Schacht (Vorständin Haßberg-Kliniken), Ines Krahn (GF Netzwerk "Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen"), Elisabeth Röhner (Selbshilfebeauftragte).

Am 29. April wurden die Haßberg-Kliniken erneut als selbsthilfefreundliches
Krankenhaus ausgezeichnet. Das Netzwerk Selbsthilfefreundlichkeit und Patientenorientierung im Gesundheitswesen fördert die Zusammenarbeit von Selbsthilfegruppen und zeichnet Gesundheitseinrichtungen aus, die die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen systematisch und nachhaltig verankern. Erstmals wurden die Haßberg-Kliniken im Jahr 2020 ausgezeichnet.

Als Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, Pflege und Prävention des Bayerischen Landtags wurde Paul Knoblach, MdL zum Festakt geladen und hielt folgendes Grußwort nach der Eröffnungsmusik („Let it be“, The Beatles):

Liebes Auditorium, so fasse ich jetzt mal die Ärzte, Pflegenden, die Vertreter*innen der Selbsthilfegruppen und der Politik zusammen

„Let it be“. Diesen Song der Beatles haben wir gerade gehört, es ist eines meiner Lieblingsstücke, geschrieben von Paul McCartney, mit dem mich mehr als der gemeinsame Vorname verbindet.

Ich bin 2018 in den Landtag gewählt worden. Auf der grünen Unterfranken-Liste stand ich auf dem chancenlosen Rang zwölf, wurde aber auf den dritten Platz vorgewählt und war jetzt Abgeordneter.

Die völlig überraschende Nachricht hat mir ein Reporter der Main Post übermittelt. Er hat mich am Handy erwischt, weil ich damals draußen auf dem Acker war, auf meinen Traktor saß und – sie müssen mir, sehr verehrte Damen und Herren – das jetzt glauben, lauthals diesen Beatles-Song vor mich hin geträllert habe. Es hat mich ja keiner gehört.

McCartney erzählt in dem Lied von einem Traum, in dem ihm seine früh verstorbene Mutter Mary erschienen war und zu ihm gesagt haben soll, dass alles gut werden würde. Let it be. Lass es geschehen. Welche Fügung, dachte ich als noch immer ungläubiger, aber nun doch frisch gebackener Abgeordneter.

Let it be. Das passt auch zum heutigen Anlass. Hier ist auch alles gut, hier ist Erstaunliches geschehen: Bereits zum dritten Mal werden die Haßberg-Kliniken für ihre Selbsthilfefreundlichkeit ausgezeichnet. Das ist ein großartiges Qualitätssiegel. Sie zeigen vorbildhaft auf, wie wichtig die Vernetzung mit der unabdingbaren Selbsthilfe ist. Ich war über 30 Jahre als Pfleger in der Psychiatrie in Werneck tätig, sitze deshalb neben dem Landwirtschafts- auch im Gesundheitsausschuss und weiß, wovon ich hier rede.

Das Beste für jeden Menschen wäre, er würde gar nicht krank und müsste im schlimmeren Fall gar kein Krankenhaus aufsuchen. Aber es gilt heute leider nicht mehr, was Theodor Fontane im 19. Jahrhundert beschrieben hat: „Es ist und bleibt ein Glück, vielleicht das Höchste, frei atmen zu können“.

Frei atmen. Das ist wegen der Belastungen durch Ozon, durch das Dieselabgasgift Stickstoffdioxid oder durch Feinstaub schwieriger geworden. Die Folgen sind mehr Atemwegs-, Herz- und Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs. Die schlechte Luft macht krank. Und wo landen viele dieser Menschen? Im Krankenhaus.

Ich bin vor über 30 Jahren Biolandwirt geworden, weil mir der Natur- und Klimaschutz und damit auch das Thema Gesundheit wichtig war und ist. Wir waren auch schon mal sehr viel weiter. Aber leider spielt der Natur- und Klimaschutz aktuell in unserem Land nur noch eine Nebenrolle. Das zugesagte Ziel der Klimaneutralität bis 2040 ist kassiert, stattdessen wird weiter auf den Verbrennermotor und die Gas- und Ölheizung gesetzt. Tempolimit? Geht doch nicht im Autofahrerland Deutschland, obwohl das die Gesundheit-schädlichen CO2 Emissionen massiv reduzieren würde.

Haben Sie sich nicht schon mal gefragt, wo all die Insekten geblieben sind, die noch vor Jahren tot an den Windschutzscheiben klebten? Die Antwort ist bitter: Es gibt sie nicht mehr. Die Biomasse der fliegenden Insekten ist in den letzten drei Jahrzehnten in Deutschland um 76 Prozent zurückgegangen. Die meisten Pflanzen sind aber auf die Bestäubung von Insekten angewiesen, was auch Probleme beim Anbau von Obst und Gemüse macht. Obst und Gemüse sind aber für unsere Gesundheit wichtig.

In meiner Rede als Alterspräsident zur Eröffnung des Landtags im Jahr 2023, meiner zweiten Amtsperiode, habe ich gesagt: Wir ernten, was wir säen. Ich habe dafür viel Beifall bekommen. Meine Worte haben aber leider nicht viel bewirkt.

Anders ist das hier. Sie haben vor sechs Jahren mit der Idee, Selbsthilfegruppen im Krankenhaus zu verankern die richtige Saat ausgebracht und sie ernten seitdem jedes Jahr. Die Patientin, der Patient, die/der das Krankenhaus nach einer Operation oder einer anderen Behandlung verlässt, ist nicht unbedingt genesen. Aber diese Menschen wissen, dass sie nach der Entlassung mit ihren Ängsten und Sorgen n i c h t allein sind. Sie wissen, dass es Kümmerer gibt mit ähnlichen Erfahrungen. Ich gratuliere der Haßberg-Klinik und allen, die das Projekt initiiert haben und mit Leben füllen, ich gratuliere und danke besonders den Aktiven in den Selbsthilfegruppen. Und Ihnen allen danke für die Aufmerksamkeit, let it be.

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