Tierschutzempfang in München

Tierschutz ist auch der Erhalt ihrer Lebensgrundlage

Tierschutzempfang 2026 - Begrüßung
Über 80 Vertreterinnen und Vertreter von Natur- und Tierschutzorganisationen, tierärztlichen und landwirtschaftlichen Berufsverbänden, Wissenschaft, Verwaltung und Politik aus ganz Bayern waren der Einladung von Paul Knoblach in den Bayerischen Landtag gefolgt.

Tierschutzempfang von Paul Knoblach im Landtag mit großer Resonanz  

Bei dem vom Schweinfurter Abgeordneten Paul Knoblach organisierten Tierschutzempfang der Landtags-Grünen im Maximilianeum hat der Eichelhäher die Hauptrolle gespielt. Der Grund: Der Vogel darf in Bayern als einzigem Bundesland in Deutschland überhaupt noch geschossen werden, was auf größtes Unverständnis stieß.

Denn: Bis zu 5000 Eicheln, Nüsse und Bucheckern vergräbt ein Eichelhäher übers Jahr, findet aber nur etwa die Hälfte wieder und sorgt so ungewollt für eine natürliche Aussaat und Verjüngung der Wälder. Für Knoblach, zugleich auch Tierschutzsprecher von Bündnis 90/Die Grünen, „eine Grundvoraussetzung, damit unser Wald die drastischen Folgen der Klimakrise überlebt“.

Und das gibt es alles zum Nulltarif. Bei einem Pflanzpreis von zwei Euro pro Eiche ist das pro Eichelhäher ein Gegenwert von um die 1000 Euro pro Jahr, was im Umkehrschluss heißt: Weil jährlich rund 12.000 Eichelhäher getötet werden, entgeht dem Wald im Freistaat die natürliche Aussaat von vielen Millionen Bäumen, der Schaden liegt bei rund 11 Millionen Euro.

Tierschutzempfang 2026 - Vortrag
Viel Lob gab es für die Möglichkeit, über den Tierschutz bei landwirtschaftlich genutzten Tieren und Wildtieren zu sprechen, sich mit den Vertretern der vielen andern Tierschutzorganisationen auszutauschen und zu vernetzen.

Die Grünen haben – zuletzt 2024 – die ganzjährige Schonzeit für den Eichelhäher beantragt. Erfolglos, weil die CSU/FW-Staatsregierung die Eichelhäher-Population als stabil sieht. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Johannes Becher ließ das in seiner Begrüßung nicht gelten: „Tierschutz bedeutet auch, ihre Lebensgrundlagen zu erhalten“, sagte er unter Hinweis auf die bayerische Verfassung (Artikel 141), wonach Tiere als Lebewesen und Mitgeschöpfe nicht nur zu achten, sondern auch zu schützen seien. Deshalb auch seien zwei Landebahnen am Freisinger Flugplatz „völlig ausreichend“, brachte er hier dieses in seinem Wahlkreis diskutierte Thema unter.

Über 80 Vertreterinnen und Vertreter von Natur- und Tierschutzorganisationen, tierärztlichen und landwirtschaftlichen Berufsverbänden, Wissenschaft, Verwaltung und Politik aus ganz Bayern waren der Einladung von Knoblach in den Bayerischen Landtag gefolgt, um über Tierschutz bei landwirtschaftlich genutzten Tieren und Wildtieren zu sprechen, sich auszutauschen und zu vernetzen. Absagen gab es praktisch keine. Den Input im Senatssaal bildeten die Referate von Dr. Iris Fuchs (Präsidentin der Bayerischen Landestierärztekammer), Dr. Mariana Peer (stellvertretende Landesbeauftragte für Tierschutz Baden-Württemberg) sowie der Geschäftsführerin vom Bundesverband der Wildtierhilfen, Vera Heck.

Auch Heck hatte den Eichelhäher im Gepäck, zeigte kein Verständnis für die Jagd auf den Vogel, weil der Architekten seiner eigenen Zukunft mit jeder im Waldboden vergrabenen Eichel die nötigen Grundlagen für einen Wald schafft, der sich stetig selbst erneuert und anpassungsfähig bleibt.  

Tierärztin Iris Fuchs wünschte sich zur Vermeidung von Missständen in Ställen ein wirksames Frühwarnsystem „zum Schutz der Landwirte und der Tiere“. Eine Tiergesundheitsdatenbank, die auch Knoblach zuletzt wieder gefordert hatte, nannte Fuchs nötig, um zu erfahren, wo Kontrollen durchgeführt werden müssen. „Tierschutz ist Tiergesundheit“, sagte sie.

Der Putenhaltung widmete sich Mariana Peer, festgemacht am wegweisenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 23. April 2026. Klar gestellt wird darin, dass die bislang in  den „bundeseinheitlichen Eckwerten für eine freiwillige Vereinbarung zur Haltung von Mastputen“ aus dem Jahr 2013 geregelten Vorgaben nicht ausreichen, um den Anforderungen des § 2 Tierschutzgesetz gerecht zu werden. Unter anderem das Ruhe-Bedürfnis der Tiere scheitert an zu beengten Ställen.

Tierschutzempfang 2026 - Rednerinnen
Den Input beim Tierschutzempfang der Grünen Landtagsfraktion bildeten die Referate von (von links) Vera Heck Bundesverband Wildtierhilfen), Dr. Mariana Peer (stellvertretende Landesbeauftragte Tierschutz Baden-Württemberg), Dr. Iris Fuchs (Präsidentin der Bayerischen Landestierärztekammer) und der Gastgeber Paul Knoblach, MdL. Die Lebkuchenherzen waren dem Oktoberfest geschuldet.

Der Thematik hatte sich kürzlich auch Knoblach angenommen und von der Staatsregierung nach den Konsequenzen des Urteils für den Freistaat gefragt. Wegen der unzureichenden Antworten fordern die Landtags-Grünen angesichts 509 Betrieben und über einer Million Puten möglichst rasch rechtssichere Vorgaben für eine tiergerechte Haltung. „Wer Tiere hält, muss ihre Grundbedürfnisse respektieren, Tierschutz ist Staatsziel und kein unverbindlicher Wunsch“, so Knoblach.   Erfreulich nannte er, dass die Rinder heute besser gehalten werden als vor 20 Jahren. Bedauerlich sei, dass rund 95 Prozent aller Mastschweine in Bayern auf Betonspaltenböden stehen und aufgrund tierschutzwidriger Züchtungsziele die Ferkelverluste zu hoch sind. Den Gästen beim Tierschutzempfang dankte der Tierschutzsprecher für ihr „unermüdliches, großteils ehrenamtliches, Engagement für die Tierwelt“.

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