Viel Interesse an Info-Wanderung durch Unkenbachaue
Die Unkenbachaue zählten noch vor dem Zweiten Weltkrieg zu einem der bedeutendsten Niedermooren Nordbayerns. Entwässerungsmaßnahmen, Flurbereinigung und Wiesenumbruch führten danach allerdings zu einem fast vollständigen Verlust der ehemals weitläufigen Feucht-, Sumpf- und Streuwiesenareale zwischen Sulzheim, Ober-, Unterspiesheim und Schwebheim im Landkreis Schweinfurt.
Um den Zusammenbruch der Restpopulation zu stoppen, wurde 1999 das Naturschutzprojekt mit dem etwas umständlichen Namen „Unkenbachaue im Grettstädter Reliktengebiet“ ins Leben gerufen. Seitdem wurden – großteils mit Geld aus dem Bayerischen Naturschutzfonds – rund 18 Hektar renaturiert.
Auf ehemaligen Ackerflächen entwickelten sich wertvolle Biotope, die zahlreichen bedrohten Tier- und Pflanzenarten wieder Lebensräume bieten. Unter der Projektträgerschaft des Landkreises Schweinfurt wird nun versucht, über Gräben die einzelnen Biotope zu vernetzen. Das Ziel ist klar: Ein wieder großes Moorgebiet.

Ein großer nächster Schritt dazu ist ein Beweidungsprojekt auf früherem Moorgebiet. Diese Planung stand im Mittelpunkt einer vom Landtagsabgeordneten Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen) initiierten, mehrstündigen Wanderung durch das Naturschutzgebiet. Mit über 30 Teilnehmern, darunter Schwebheims Bürgermeister Volker Karb, war die Resonanz erfreulich gut. „Das unerwartete Interesse zeigt mir, dass Moorschutz, ihr Nutzen für unsere gebeutelte Umwelt und die Klimakrise doch sehr viele Menschen berührt“, konstatierte der grüne MdL aus Garstadt.
Start und Ziel war der Wanderparkplatz Riedholz bei Schwebheim. An sechs Haltepunkten informierten Karl-Heinz Kolb und Bernd Hertlein von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises über die verschiedenen Schutzgebiete. Kurzweilige Erläuterungen gab es etwa zur einzigartigen Flora der Grettstädter Wiese, zur außergewöhnlich hohen Zahl an Baumarten und Gehölzen im Naturwaldreservat Riedholz sowie zum Sandmagerrasen in der „Sandfurt“, wo viele seltene Pflanzen (Sand-Grasnelke, Ohrlöffel-Leimkraut) und Tierarten (Kreiselwespe, Bienenwolf) beheimatet sind.

Das Beweidungsprojekt liegt nördlich vom Moorhof und soll rund 15 Hektar umfassen, die wegen der auch durch den Biber veranlassten Nässe landwirtschaftlich nur mehr schwer nutzbar ist. Die Gemeinde Kolitzheim unterstützt das Vorhaben durch Verpachtung der Flächen an den Landkreis. Mehrere Wasserbüffel oder Exmoor-Ponys sollen dort dafür sorgen, dass die Vegetation unterschiedlich abgefressen wird und so seltene Pflanzenarten wieder mehr Oberhand gewinnen. Landwirt Alexander Bönig, dessen Hof ans Gebiet angrenzt, zeigt sich interessiert, das Beweidungsprojekt zu übernehmen. Zur Freude des MdL stand auch Bönig vor Ort Rede und Antwort.
Das Fazit von Paul Knoblach, der sich schon in der Rhön für das Schwarze Moor über Gebühr einsetzt: „Moore sind wichtige CO2-Speicher, allein deshalb ist dieses Projekt gerade in diesen Zeiten des massiv fortschreitenden Klimawandels so enorm wichtig. Dass ein schon einmal funktionierendes größeres Niedermoorgebiet wieder entsteht, ist nur zu begrüßen, aber auch nötig.“ Weitere Wanderungen sind geplant.
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