Maßloser Umgang mit der knappen Ressource Boden muss aufhören

MdL Paul Knoblach will wachrütteln

Bayern steht beim Flächenfraß nach wie vor an der Spitze der Bundesländer. Laut aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes lag der Wert 2019 bei 10,8 Hektar – pro Tag. Aufs Jahr gerechnet sind das knapp 4000 Hektar neue Wohnsiedlungen, Straßen und Gewerbegebiete anstelle von Wald, Wiesen und Ackerland. „Das ist mehr als die gesamte Fläche der Stadt Schweinfurt, die allein letztes Jahr in Bayern unter Beton und Asphalt verschwunden ist“, betont der Landtagsabgeordnete Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen) in einer Mitteilung.

Knoblach will mit seinem öffentlichen Vorstoß wachrütteln, weil eines der größten regionalen Umweltprobleme unserer Zeit von zu vielen noch immer nicht wahrgenommen wird“.  Denn auch die Stadt und der Landkreis Schweinfurt sind beim „maßlosen Umgang mit dem Boden als unserer knappsten Ressource munter mit dabei“, bedauert der Biolandwirt aus Garstadt. Alles ist so passiert, wie nach dem 2018 abgelehnten Volksbegehren „Betonflut eindämmen“ zu befürchten war.

Das vor zwei Jahren von fast 50.000 Bürgern unterstützte Volksbegehren der Grünen sah eine verbindliche Obergrenze von fünf Hektar pro Tag vor. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof lehnte es aber wegen fehlender Vorgaben, wie das Fünf-Hektar-Limit umgesetzt werden soll, ab. Die Grünen brachten deshalb vor einem Jahr einen Gesetzentwurf mit dem gleichen Slogan und einem Fünf-Hektar-Budget als Ziel ein, das der Nachhaltigkeitsstrategie des Bundes entspricht. Dieser Entwurf sieht vor, die fünf Hektar pro Tag in mehreren Schritten von 2021 an bis 2026 zu realisieren. Das Flächenbudget soll sich an der Einwohnerzahl orientieren und den Kommunen planerische Freiheiten schaffen.

Knoblach hofft, dass die Grünen mit dem neuen Vorstoß Gehör finden, ist aber skeptisch, weil der für die Landesplanung zuständige Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger nur einen Richtwert für den Flächenverbrauch aufnehmen will. Der soll zwar fünf Hektar am Tag betragen, ist aber im Unterschied zur Obergrenze der Grünen nicht verbindlich, basiert also auf Freiwilligkeit.

Dass das nicht funktioniert, zeigten allein die Pläne von Stadt und Landkreisgemeinden für neue oder zu vergrößernde Gewerbegebiete, sagt Knoblach. Das an Gewerbeflächen nicht gerade arme Sennfeld will östlich der Staatsstraße 2272 großflächig weiteres Grünland umwandeln. Auch Schonungen erachtet noch mehr Gewerbe-Areale als nötig, beschlossen ist die Erschließung des Gewerbeparks „Tiefer Graben“ und eine Ausweitung der Gewerbeflächen an der B303 in Abersfeld.

Üchtelhausen will auf dem heutigen Grünland an der Staatsstraße 2280 ein Gewerbegebiet schaffen, in Grafenrheinfeld soll ein Einkaufsmarkt in Mainnähe neu entstehen, auch in Dittelbrunn wird über einen weiteren Markt diskutiert. Werneck will sein schon heute 18 Hektar Gewerbeareal an der A 70 ausbauen, Planungen für vergrößerte Gewerbeflächen gibt es in Gerolzhofen, Röthlein und bei der Stadt Schweinfurt im Stadtteil Oberndorf. „Die Liste ist nicht vollständig, zeigt aber, dass der Boden als Lebensgrundlage auch zukünftiger Generationen einfach nicht länger einer überholten Wachstumsideologie geopfert werden darf“, erklärt Knoblach.

Das Mitglied im Landwirtschaftsausschuss seiner Fraktion sagt, dass es bereits ausreichend Einkaufsmärkte gibt. Wenn es unbedingt noch einen Markt braucht, soll man den wenigstens nicht am Ortsrand ansiedeln, sondern auf einer Brachfläche im Ort. „Der richtige Ansatz innen vor außen wird leider nicht mehr verfolgt“. Knoblach nennt Gewerbeflächen an den Ortseingängen, oft mit großflächigem Kreisverkehr und Flach- statt mehrgeschossigen Bauten „eine moderne Erscheinung, so geht heute leider Ortsrandgestaltung, Euerbach als Beispiel“.

Beim Straßenbau nennt Knoblach als „erschreckenden Flächenfraß-Auswuchs den völlig unnötigen Ausbau der B 286 bei Schwebheim“. Man muss nicht jede Straße ausbauen und begradigen.

Damit nicht mehr jeder „sein eigenes Süppchen kocht“, fordert Knoblach mehr Kooperationen. „Beim Wasser geht es doch auch“. Richtungsweisend sind insofern der vom Landkreis mit Geldersheim, Niederwerrn und Schweinfurt gegründete „Zweckverband Interkommunaler Gewerbepark Conn Barracks“ und der sogar landkreisüberschreitende Gewerbepark von Oerlenbach und Poppenhausen. Wenn Knoblach hier auch die Ansiedlung des Kurier-Express-Paket-Zentrums von Amazon wegen anderer Gründe – Verkaufsaufkommen, Niedriglohnsektor, Mitbestimmung – sehr kritisch sieht. Knoblach kann auch nicht verstehen, dass es in den Conn Barracks nicht vorangeht, weil für die Zufahrt von der B 303 ins Gelände noch immer keine Freigabeerklärung des Freistaats Bayern vorliegt.

2 Kommentare

  1. Bernhard Schwab

    Die Feststellungen von Paul Knoblach zur weiter um sich greifenden Flächen Versiegelung kann auch für alle, aus landwirtschaftlicher Sicht wertvollen Gebiete mit guten Böden in ebener Lage, bestätigen.
    Diese Flächen haben auch ein wertvolles Potential als Wasserspeicher und Wasserfilter
    Weitere Verbrauchermärkte „auf der grünen Wiese“ werden nicht mehr benötigt.

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  2. Barbara Schug

    Pauls Appell ist dringend und spricht mir ganz aus der Seele. Bereits Mark Twain sagte: „Kaufen Sie Land, es wird keines mehr gemacht!“. Heute müsste man sagen: Spart / Schont / Schützt Land … Die Gemeinden im ländlichen Raum sollten endlich begreifen, dass ihr Grund und Boden eine wertvolle, nicht erneuerbare Ressource ist, die es zu schützen gilt! Wieso werden kostbare naturnahe oder landwirtschaftliche Flächen im Wettbewerb an Unternehmen und sogenannte Projektentwickler verschleudert? Will man Kindern und Enkelkindern eine zubetonierte, kommerzialisierte Umwelt hinterlassen? Diese „Entwicklungsflächen“ entwickeln nur den Klimawandel und verschandeln die Dörfer. Mit meinem Begriff von Heimat haben diese Gewerbegebiets-Dörfer nichts mehr zu tun!

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