Den Main anzuzapfen ist der falsche Weg

Weinbergbewässerung: MdL Knoblach (Grüne) kritisiert Auswahl der Pilotprojekte

Schweinfurt/Nordheim/Iphofen – In Schreiben an den Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber und die Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat der weinbaupolitische Sprecher der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Paul Knoblach, die ausgewählten Pilotprojekte zur Weinbergbewässerung kritisiert. Bei allen drei vom Freistaat mit insgesamt 30 Millionen Euro geförderten unterfränkischen Projekten würden – statt einer von ihm angeregten nachhaltigen Bewässerung bevorzugt mit Regenwasser – künftig Fließgewässer angezapft. In Oberschwarzach sei ein Bach, in Nordheim und Iphofen der Main der Wasserlieferant mit Mengen, „die der Fluss und sein Ökosystem auf Dauer nicht verkraften“, erklärt der Schweinfurter Abgeordnete in einer Pressemitteilung.

Wie der Temperaturanstieg um über zwei Grad Celsius seit 2018 und dramatisch rückläufige Niederschläge vor allem in Unterfranken zeigten, hätten sich die schlimmsten wissenschaftlichen Prognosen zur Klimaerwärmung bestätigt, so der MdL und Biolandwirt. Insofern seien die vom Umweltministerium für Bewässerungsprojekte zur Verfügung gestellten Millionen zu begrüßen. Nicht jedoch die Auswahl. Das gelte im Besonderen für das Pilotprojekt in Iphofen im Landkreis Kitzingen, wo erst eine 7,2 Kilometer-Pipeline ermöglicht, Wasser aus dem Main zu einem Speichersee mit 195.000 Kubikmeter Fassungsvolumen zu pumpen. „Mit dem Bau einer kilometerlangen Leitung ist die Entnahme von Mainwasser manifestiert, von einem Pilotprojekt kann man da nicht mehr sprechen“, stellt Knoblach fest.

Beim Anschluss des Winzerorts Nordheim (Landkreis Kitzingen) an das schon vorhandene Sommeracher Bewässerungssystem seien zwar nur 400 Meter Leitungen nötig. Der für die 615 Hektar Rebfläche prognostizierte jährliche Bewässerungsbedarf von 370.000 Kubikmetern werde am Main aber genauso nicht spurlos vorübergehen, zumal dem Fluss bereits etliche heute leider ausgetrocknete Bäche als Zulieferer fehlen. „Dem Fluss dauerhaft Wasser zu entnehmen, ist deshalb der falsche Weg“, schreibt Knoblach.

Der MdL fragt die beiden Mitglieder der Staatsregierung, weshalb 2021 solch fragwürdigen Pilotprojekte gestartet werden, obwohl es bereits seit Jahren erfolgreiche und vor allem nachhaltige Wassermanagementsysteme vor der Haustüre gibt. Beispielhaft nennt Knoblach in den Briefen das 2010 installierte Bewässerungsprojekt Vin Aqua in Volkach. Dort werden weder der Main noch das Grundwasser angezapft, sondern der Oberflächenabfluss aus den Weinbergen in einem Pufferbecken aufgefangen und in Speicherbecken gepumpt. Das eingesammelte Niederschlagswasser reiche aus, die 30 Hektar Rebfläche durch gezielte Tropfbewässerung ganzjährig und ganzflächig zu begrünen. „Das hilft zusätzlich Verdunstung, Bodenerosion und Nitratauswaschungen zu verhindern“, so Knoblach abschließend.

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel