Überschreitungen der Nitratgrenzwerte

Grundwasser ist unser Lebensquell

Landtagsabgeordneter Paul Knoblach fordert dazu auf, endlich an allen Fronten zu handeln

„Die jüngsten Analysen der gemeinnützigen Umweltschutzorganisation VSR-Gewässerschutz zur Nitratbelastung des Grundwassers zeigen überdeutlich, dass wir seit 35 Jahren auf der Stelle treten“. Mit diesen Worten kommentiert der Schweinfurter Landtagsabgeordnete und Biolandwirt Paul Knoblach (Bündnis 90/Die Grünen) die Ergebnisse der aktuellen Wasserproben aus privaten Brunnen in Stadt und Landkreis Schweinfurt mit teils massiven Überschreitungen bei den Nitratgrenzwerten. Knoblach: „Wie Gewässerschutz geht, wissen wir alle, es muss endlich gehandelt werden“.

In jeder dritten Probe der 47 untersuchten Brunnen stellte die VSR eine Überschreitung des festgelegten 50 mg/l Nitratwertes fest. Gravierend waren die Werte in einem Gartenbrunnen in Bergrheinfeld mit 141 mg/l und in Eßleben mit 135 mg/l, nahezu doppelt so hoch lag der Wert von Brunnenwasser in Schweinfurt mit 92 mg/l, Herlheim und Theilheim mit jeweils 91 mg/l.

Für Knoblach sind die vielfach geänderten Düngeregelungen auf den Feldern einer der Hauptgründe für die hohe Nitratbelastung. „Planungssicherheit ist aber die Grundvoraussetzung für die Landwirte, dass sich die Nitratkonzentration im Grundwasser verringert, das dauernde hin und her ist kontraproduktiv“. Dass es auch anders geht, zeigt der Raum Karlstadt. „Die Nitratbelastung ist dort gesunken, weil die bekannten Maßnahmen von Bäuerinnen und Bauern umgesetzt werden“.

 Der grüne Abgeordnete aus Garstadt erinnert in seiner Pressemitteilung, dass die EU im Jahr 1991 wegen der damals „krassen Nitratwerte“ die Wasserrahmenrichtlinie in Kraft gesetzt hat, die seitdem alle Mitgliedsländer zu mehr Schutz für unser wichtigstes Lebensmittel verpflichtet. Auslöser war unter anderem die Blausucht bei Säuglingen, die Blue Babys. Kommunen aus unserer Region hatten damals an Familien mit Säuglingen sogar Mineralwasser ausgeteilt.

Gebiete in Deutschland, in denen die EU-Nitratrichtlinie von 50 Milligramm pro Liter überschritten war, wurden ab 2022 zu „Roten Gebieten“ deklariert. In diesen Gebieten galten strengere Düngeauflagen. Aber: Diese Auflagen sind aktuell ausgesetzt. „Die Nitratbelastung wird sich so sicher nicht verringern“, merkt Knoblach an.

Wie die VSR-Gewässerschutz fordert auch der Biolandwirt neben der sofortigen Rückkehr zur Richtlinie den verpflichtenden Anbau von Zwischenfrüchten in den nitratbelasteten Bereichen, weil diese bei Regen das Auswaschen von Stickstoff-Restbeständen ins Grundwasser verhindern. „Weizenqualität und Ertrag bleiben gleich auch bei 20 Prozent weniger Nitratdünger“, weiß Knoblach aus eigener Erfahrung, Daten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft bestätigen ihn.

Die Klimakrise sorgt schon länger für negative Veränderungen bei der Grundwasserneubildung. Der aktuelle Glutsommer mit noch weniger Niederschlag, höheren Durchschnittstemperaturen und steigender Verdunstung verschärft die Lage noch. Knoblach deshalb abschließend: „Es muss zuvorderst entsiegelt werden, damit Wasser nicht sofort wieder oberirdisch abfließt, sondern langsam versickert. Das im Boden gespeicherte Grundwasser ist die wichtigste Quelle für unser Trinkwasser, dessen Schutz wichtiger denn je ist, stammen doch etwa 70 Prozent des Trinkwassers direkt aus dem Grund- oder Quellwasser. Ein weiter so darf es nicht geben.“

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