Bayern sucht dringend Ärztinnen und Ärzte, geflüchtete ukrainische Medizinerinnen und Mediziner suchen einen Job. Eigentlich eine Win-Win-Situation, wäre nicht die Anerkennung der ausländischen, im speziellen Fall der geflüchteten Ukrainer, langwierig und kompliziert. „Angesichts dessen, dass die Staatsregierung sich immer wieder eine bessere Gesundheitsversorgung auf die Fahne schreibt, ist das erschreckend“, sagt der Schweinfurter Landtagsabgeordnete Paul Knoblach in einer Mitteilung.
Wie Knoblach, der für die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auch im Gesundheitsausschuss sitzt, auf seine Anfrage an die Staatsregierung erfahren hat, wurden von Ärztinnen und Ärzten mit ukrainischer Ausbildung in den zurückliegenden drei Jahren 62 (2022), 73 (2023) und 119 (2024) Approbationsanträge zur dauerhaften Berufszulassung gestellt. Positiv beschieden wurden aber lediglich 40 (2022), 38 (2023) und 35 (2024). „Wir brauchen aber all diese ausgebildeten Fachkräfte dringend in den Krankenhäusern und nicht als Akten in Amtsstuben“, sagte Knoblach. Mit Blick auf die Bearbeitungsdauer von im Durchschnitt 18 Monate bis zwei Jahre sagt der grüne Abgeordnete: „Das muss schneller gehen, Antragssteller mit Abschlüssen müssen wir schnellstmöglich in den Arbeitsmarkt bringen“.
Nicht viel besser sehen die Quoten bei den Berufserlaubnisanträgen für eine befristete Berufszulassung aus, bedauert Knoblach. Laut der Antwort der Staatsregierung wurden hier 91 (2022), 122 (2023) und 206 (2024) Berufserlaubnis-anträge gestellt. Positiv beschieden wurden aber lediglich 55 (2022), 58 (2023) und 59 (2024). „Wenn ich sehe, dass die Bearbeitungsdauer hier im Durchschnitt nur ein Jahr dauert, sind die Quoten von teilweise nicht einmal 25 Prozent ein Offenbarungseid“, sagt der grüne Landtagsabgeordnete.
Schließlich noch die Facharztqualifikation (Weiterbildung). Ärztinnen und Ärzte mit ukrainischer Ausbildung stellten hierzu elf (2022), 13 (2023) und 12 (2024) Anträge auf Anerkennung, aber im Jahr 2022 wurden nur neun, in den beiden anderen Jahren lediglich zwei (2023) und 2024 gar keiner befürwortet. „Wir wissen, dass viele Krankenhäuser ihre Betten und stationären Behandlungsplätze nicht voll auslasten können, weil es an Pflegekräften und insbesondere auch an Ärztinnen und Ärzten fehlt. Die Herausforderungen im Gesundheitswesen lassen sich ohne qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland aber nicht mehr bewältigen, trotzdem geht die Zulassung für ukrainische Mediziner nur im Schneckentempo voran“, so Knoblach. Und weiter: „Wenn mir auch klar ist, dass die Bearbeitungszeit und Anerkennung von ausgebildeten Ärzten aus Ländern außerhalb der EU kompliziert ist, sind die Wartezeiten hier zu lange und die Anerkennungsquoten nicht zu akzeptieren.