Schriftliche Anfrage von MdL Paul Knoblach

Schriftliche Anfrage von MdL Paul Knoblach

Anfrage: Spargelanbau in Bayern

Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Paul Knoblach BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vom 10.04.2019

inklusive
Antwort des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vom 05.06.2019 [kursiv dargestellt]

Spargelanbau in Bayern

Spargel ist die Gemüsekultur mit der größten Anbaufläche in Bayern. Durch die nach wie vor steigende Nachfrage nach einheimischem Spargel ist mit einer weiteren Vergrößerung der Spargelanbauflächen in den nächsten Jahren zu rechnen. Der Spargelanbau mit intensiver Nutzung von Agrarfolien und unzureichenden Erosionsschutzmaßnahmen führt zu massiven Erosionsschäden, die nicht nur zum Verlust wertvollen Bodens führen, sondern auch vielfach umliegende Gewässer massiv belasten. Die zunehmenden Starkregen verschärfen die Situation.

Ich frage die Staatsregierung:

    1. Wie viele Hektar (ha) erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wasser 1; CC = Cross-Compliance) sind im Erosionsgefährdungskataster ausgewiesen, verteilt auf die bayerischen Landkreise?
      Die erosionsgefährdeten Ackerflächen (CC-Wasser 1) belaufen sich in Bayern auf insgesamt 391.684 ha. Die Anteile der einzelnen Landkreise sind in Anlage 1 ausgewiesen.

      Erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wasser 1) in Bayern nach Landkreisen (Quelle: Erosionsgefährdungskataster)

      Erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wasser 1) in Bayern nach Landkreisen
      (Quelle: Erosionsgefährdungskataster)

    2. Wie viele Hektar dieser CC-Wasser-1-Ackerflächen wurden jeweils in den letzten drei Jahren mit Spargelkulturen bestellt?
      Insgesamt wurden 43 ha dieser Ackerflächen in den letzten drei Jahren mit Spargel bestellt. Bayernweit wird nur ca. 1 Prozent des Spargels auf CC-Wasser-1-Flächen angebaut.

      Landkreis Fläche in ha
      Dachau 3,6
      Fürstenfeldbruck kleiner 3,0
      Neuburg-Schrobenhausen 7,3
      Pfaffenhofen a. d. Ilm kleiner 3,0
      Kelheim kleiner 3,0
      Ansbach kleiner 3,0
      Neustadt a. d.Aisch-Bad Windsheim kleiner 3,0
      Roth kleiner 3,0
      Rhön-Grabfeld kleiner 3,0
      Kitzingen kleiner 3,0
      Schweinfurt kleiner 3,0
      Würzburg kleiner 3,0
      Aichach-Friedberg 17,0
    3. Auf wie vielen Hektar dieser Spargelanbauflächen wurden in den letzten drei Jahren Maßnahmen zur Erosionsvermeidung umgesetzt?
      5 ha der drei Jahre in Folge mit Spargel bestellten erosionsgefährdeten Flächen werden nach den Maßgaben der KULAP-Maßnahme „ökologischer Landbau“ bewirtschaftet. Auf den betroffenen Flächen werden ansonsten keine geförderten Agrarumweltmaßnahmen (AUM) durchgeführt. Die Maßnahme „Ökologischer Landbau gesamtbetrieblich“ wird als erosionsmindernde/vermeidende Maßnahme aufgeführt.
    1. Wie viele Hektar erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wasser 2) sind im Erosionsgefährdungskataster ausgewiesen, verteilt auf die bayerischen Landkreise?
      Die erosionsgefährdeten Ackerflächen (CC-Wasser 2) beziffern sich in Bayern auf insgesamt 89.783 ha. Die Anteile der einzelnen Landkreise sind in Anlage 2 ausgewiesen.

      Erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wasser 2) in Bayern nach Landkreisen (Quelle: Erosionsgefährdungskataster)

      Erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wasser 2) in Bayern nach Landkreisen
      (Quelle: Erosionsgefährdungskataster)

    2. Wie viele Hektar dieser CC-Wasser-2-Ackerflächen wurden jeweils in den letzten drei Jahren mit Spargelkulturen bestellt?
      Es sind bayernweit drei Spargelflächen mit insgesamt 9 ha als CC-Wasser-2-Flächen ausgewiesen. Bayernweit wird nur ca. 0,2 Prozent des Spargels auf CC-Wasser-2-Flächen angebaut.
    3. Auf wie vielen Hektar dieser Spargelanbauflächen wurden in den letzten drei Jahren Maßnahmen zur Erosionsvermeidung umgesetzt?
      Auf dieser Spargelanbaufläche wurden keine geförderten Maßnahmen zur Erosionsvermeidung durchgeführt.
    1. Wie viele Hektar erosionsgefährdete Ackerflächen (CC-Wind 1) sind im Erosionsgefährdungskataster ausgewiesen, verteilt auf die bayerischen Landkreise?
      Die erosionsgefährdeten Ackerflächen (CC-Wind 1) beziffern sich in Bayern auf insgesamt 318 ha.

      Landkreis Fläche in ha
      Schweinfurt 4,0
      Dillingen a. d.Donau 36,4
      Günzburg 89,1
      Unterallgäu 132,3
      Donau-Ries 13,1
      Weilheim-Schongau kleiner 3
      Dachau 7,4
      Fürstenfeldbruck 17,9
      Landsberg am Lech 6,2
      München kleiner 3
      Starnberg kleiner 3
      Amberg-Sulzbach kleiner 3
      Tirschenreuth kleiner 3
      Bayreuth kleiner 3
    2. Wie viele Hektar dieser CC-Wind-1-Ackerflächen wurden jeweils in den letzten drei Jahren mit Spargelkulturen bestellt?
      Es sind bayernweit 2 ha Spargelflächen als CC-Wind-1-Flächen ausgewiesen. Bayernweit wird nur ca. 0,05 Prozent des Spargels auf CC-Wind-1-Flächen angebaut.
    3. Auf wie vielen Hektar dieser Spargelanbauflächen wurden in den letzten drei Jahren Maßnahmen zur Erosionsvermeidung umgesetzt?
      Auf den betroffenen Spargelanbauflächen werden keine AUM zur Erosionsvermeidung durchgeführt.
    1. Wie viele Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter haben in den letzten drei Jahren vor Neuanlage eines Spargelfelds eine staatliche Beratung in Anspruch genommen?
      An den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten als nachgeordnete Behörden wird keine produktionstechnische Beratung angeboten. Diese Beratung wurde auf die Verbundpartner (Landeskuratorium für pflanzliche Erzeugung e.V. – LKP) mit seinen Beratungsringen übertragen.
      Eine exakte Angabe nur in Bezug auf Beratung Neuanlage ist nicht möglich. In den Rundschreiben und den einzelbetrieblichen Kontakten ist aber jedes Jahr das Thema Sortenwahl für Neuanlagen, sowie Düngung und Pflanzenschutz aktuell. Allein in Südbayern und Schwaben sind rund 150 Spargelbetriebe Mitglied in Erzeugerringen.
      Die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten übernehmen die gemeinwohlorientierte Beratung und die Beratung zur Betriebsentwicklung. Die Bereiche Grundwasserschutz, Düngeverordnung, Folieneinsatz und Erosionsminderung wurden in den
      letzten Jahren intensiviert. Genaue Fallzahlen liegen hier nicht vor.
    2. In welchem zeitlichen Umfang findet eine staatliche Beratung für die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter statt?
      Da von staatlicher Seite keine produktionstechnische Beratung angeboten wird, liegen hierfür auch keine Zahlen vor.
      Der Verbundpartner „Gemüseerzeugerring Südbayern“ gibt an, dass neben dem zeitlichen Aufwand für Beratungsinformationen (Rundschreiben) die einzelbetriebliche Beratung durchschnittlich zehn Stunden pro Spargelbetrieb und Jahr umfasst.
    3. In welcher Form (telefonisch, postalisch, Ortstermine o.Ä.) findet eine staatliche Beratung für die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter statt?
      Wie bereits ausgeführt, wird von staatlicher Seite keine produktionstechnische Beratung angeboten. Bei den Verbundpartnern (Beratungsringen) werden Rundschreiben je nach Betriebsausstattung per E-Mail, Fax oder Briefpost versandt.
      Die einzelbetriebliche Beratung der Verbundpartner erfolgt zu ca. 60 Prozent vor Ort auf dem Betrieb bzw. in den Spargelbeständen. Circa 40 Prozent erfolgen telefonisch oder über die Zusendung nachgefragter Informationen per Fax oder E-Mail.
    1. Aus welchen Gründen wird lediglich die Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen (KULAP B49 – Kulturlandschaftsprogramm Hecken und Feldgehölze), nicht aber eine Neuanlage solcher gefördert?
      Zweck der KULAP-Maßnahme B49 ist die Erneuerung bestehender Hecken und Feldgehölze.
      Die Neuanlage von Hecken und Feldgehölzen ist über die KULAP-Maßnahme B59 (Struktur- und Landschaftselemente) förderfähig.
    2. In welcher Höhe wurde die Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen in den letzten fünf Jahren gefördert?
      Für die Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen sind Haushaltsmittel in Höhe von 9 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.
      In den Jahren 2016 bis 2018 wurden durch die Anträge auf Erneuerung von Hecken und Feldgehölzen Haushaltsmittel in Höhe von 6,3 Mio. Euro gebunden. Davon sind bereits 2,28 Mio. Euro ausbezahlt. Im Jahr 2015 wurde die Maßnahme nicht angeboten.
    3. Wie hat sich die Fläche von Hecken und Feldgehölzen in der Agrarlandschaft in den letzten zehn Jahren, verteilt auf die Regierungsbezirke, entwickelt?

      Entwicklung von Hecken und Feldgehölzen in der Agrarlandschaft

      Anlage 3: Entwicklung von Hecken und Feldgehölzen in der Agrarlandschaft (In der InVeKoS-Datenbank als Landschaftselement erfasste Flächen in ha)

    1. In welcher Höhe wurden in den letzten drei Jahren Fördergelder für Gewässer- und Erosionsschutzstreifen für Flächen mit Spargelkulturen in Anspruch genommen?
      Die Maßnahme B34 (Gewässer- und Erosionsschutzstreifen) wurde in den letzten drei Jahren für Flächen mit Spargelkulturen nicht in Anspruch genommen.
    2. Welcher Anteil der Förderungen wurde für erosionsgefährdete Ackerflächen – aufgeteilt in CC-Wasser 1, CC-Wasser 2, CC-Wind 1 – in Anspruch genommen?
      Keine Förderanteile, da die Förderung nicht in Anspruch genommen wurde.
    3. In welcher Höhe wurden in den letzten drei Jahren Fördergelder für B49 für Flächen mit Spargelkulturen in Anspruch genommen?
      B49 (Pflege von Hecken und Feldgehölzen) kann für Flächen mit Spargelkulturen nicht in Anspruch genommen werden.
    1. Wie ist der aktuelle Stand der Forschung bezüglich biologisch abbaubarer Agrarfolien, die zur Nutzung bei Spargelkulturen geeignet sind?
      In Bayern wird Spargel hauptsächlich als Bleichspargel im Dammanbau kultiviert. Hier kommen schwarz/weiße Folien zum Einsatz, die ca. acht Jahre lang wiederverwendet werden.
      Die Verwendung von biologisch abbaubaren Folien spielt bisher in der Praxis aus mehreren Gründen eine untergeordnete Rolle. Hauptproblem ist die oft unvollständige Zersetzung unter Praxisbedingungen.
      Für die praxisnahe, angewandte Ressortforschung des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF) zeichneten sich somit in der Vergangenheit zu wenige konkrete Ansatzpunkte ab.
      Auch in anderen Regionen der Bundesrepublik sind dem StMELF keine Forschungsaktivitäten zu biologisch abbaubaren Folien beim Spargel bekannt.
    2. Welche Forschungsprojekte werden diesbezüglich gefördert?
      Derzeit gibt es keine Forschungsprojekte, die biologisch abbaubare Agrarfolien eigens für den Spargelanbau zum Thema haben. Allerdings wird an biologisch abbaubaren Folienabdeckungen aus nachwachsenden Rohstoffen am Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing geforscht. Ziel ist es, diese Materialien als Silageabdeckung und zur biologischen Begleitwuchsregulierung im Obst- und Weinbau zu verwenden.
    3. In welcher Höhe werden diese Forschungsprojekte gefördert?
      Das in der Antwort zu Frage 7b aufgeführte Forschungsprojekt wird aktuell mit rund 1 Mio. Euro gefördert.
    1. Wie oft wurden in den letzten drei Jahren, verteilt auf die bayerischen Landkreise, wegen des Auftretens von Erosionsschäden beim Spargelanbau weitere Anordnungen seitens der Landratsämter erlassen
    2. Welche Anordnungen wurden diesbezüglich erlassen? 
    3. In welcher Regelmäßigkeit werden die erlassenen Anordnungen auf Einhaltung überprüft?
      In den letzten drei Jahren wurden in Bayern bezüglich Erosionsschäden beim Spargelanbau keine Anordnungen erlassen.

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