Im Supermarktregal sieht man nicht, was hinter einem Produkt wirklich steckt, wenn Bio draufsteht. Und oft entscheidet dann halt der Preis darüber, ob wir Bio kaufen oder nicht. Eberhard Räder hat seinen Hof in der Rhön vor 26 Jahren auf Bio umgestellt und sagt heute: „Ja, Bio lohnt sich, weil es nicht nur um gesunde Lebensmittel geht, sondern auch um intakte Böden, sauberes Wasser und artgerechte Tierhaltung“. Der grüne Kreisrat aus Rhön-Grabfeld ist seit kurzem Präsident beim ökologischen Landbauverband „Naturland“, der mit seinen strengen Regeln wie dem strikten Verbot von chemisch-synthetischen Pestiziden und Mineraldünger genau dafür sorgt. Beim ersten Brennpunktgespräch des Schweinfurter Landtagsabgeordneten Paul Knoblach im Feuerwehrhaus in Oberndorf standen beide Biolandwirte den rund 40 Gästen Rede und Antwort.
„Biologische Landwirtschaft hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern beruht auf der Grundlage von Wissenschaft und Forschung, um unser Ideal einer umweltfreundlichen Lebensmittelwirtschaft zu erreichen“, stellte Räder eingangs klar. „Wir wirtschaften ökologisch und sozial, im Einklang mit der Natur und im fairen gegenseitigen Miteinander“, ergänzte der grüne MdL Knoblach, der selbst früher einmal Naturland-Chef war. Dieses „Kümmern um Pflanzen, Tiere, Böden, Gewässer und das Klima“ packte Räder unter den ihm in diesem Zusammenhang sehr wichtigen Begriff „Wertschätzung“.
Im Publikum viele Biolandwirte, aber auch konventionelle Bauern, bekannte Naturschützer, vor allem aber zahlreiche „normale“ Konsumenten mit Fragen rund ums Thema. Bio-Lebensmittel, die jetzt ja neben Rewe und Edeka auch die Discounter anbieten, ist das ok? „Wenn wir eine hundertprozentige ökologische Landwirtschaft haben wollen, dann brauchen wir sie alle“, antwortet Räder.
Bio-Lebensmittel sind teurer. Antwort: Stimmt. Aber nur weil die Umweltkosten durch die möglichst billige Lebensmittelproduktion nicht im Produkt mit eingepreist sind, sondern von der Allgemeinheit getragen werden. Bei Bio entstehen diese Umweltkosten nicht. Für Ausgleich, also mehr Preis-Gerechtigkeit, würden Steuern etwa für Pestizide, Stickstoff oder fürs Tierwohl bei gleichzeitiger Einführung des so oft geforderten Klimageldes sorgen. Das ist eine staatliche Pauschalauszahlung an Bürger, um die sozialen Folgen der steigenden CO2-Bepreisung abzufedern und die Akzeptanz für Klimaschutz zu erhöhen. Eine weitere von Räder genannte Stellschraube: „Wir müssen wegkommen von den Lobbyisten, die wie Kraken an den Politikern hängen und damit die Politik bestimmen.“ Stattdessen braucht es den Druck der Gesellschaft zur Veränderung.
Zusammenschluss der Bioverbände nach dem Motto gemeinsam sind wir stark? Nein, sagt Räder, „nicht ein einziger Verband, sondern die Eigenständigkeit bringt uns weiter“. Zumal die drei Großen – Bioland, Naturland und Demeter – schon gut zusammenarbeiten und wenn nötig mit einer Stimme sprechen. Auch Knoblach sieht das so. Fazit der beiden Naturland-Biolandwirte: „Wir wollen uns gesund ernähren und dabei so wirtschaften, dass meine Kinder weitermachen können“ (Räder). „Ökolandbau ist das beste Modell für Boden und Natur“ (Knoblach). Der grüne MdL nennt als positives Beispiel die Ökomodellregion Werntal: Bei deren Gründung 2015 lag der Anteil der Biobauern bei 13 Prozent, zehn Jahre später ist er auf 30 Prozent gestiegen. Als Hausherrin sprach die Vorsitzende des Bürger- und Kulturvereins, Marianne Prowald, ein Grußwort und verriet zur Überraschung etlicher Gäste, dass sie einer Landwirtsfamilie aus Stockheim in der Rhön entstammt. Mit Räders Appell, durch aktives Mittun und die richtige Wahl am 8. März die Demokratie zu erhalten, endete eine gelungene Brennpunkt-Premiere.
